Tragödien der Völkerschlacht

aus dem Tagebuch eines Zeitzeugen

An einem kalten Februartag des Jahres 1795 wird in dem sächsischen Dorf Schönbach bei Bautzen ein Junge geboren. Das Kind ist klein und schmächtig und der anwesende Arzt gibt ihm deshalb kaum eine Überlebenschance. Doch das Wunder geschieht: Johann Christian Eduard Bitterlich erkämpft sich seinen Weg ins Leben – und dieser Charakterzug wird ihm später von großem Nutzen sein.

Die Kindheit ist geprägt von Armut. Eduard und seine Geschwister müssen betteln gehen, für die Schule bleiben weder Zeit noch Geld. Im Alter von 17 Jahren gerät Eduard Bitterlich geradewegs in den Sog der Weltgeschichte und muss mit den sächsischen Truppen an der Seite Napoleons ins den Krieg ziehen. So erlebt er die Völkerschlacht bei Leipzig, die im Oktober 1813 geschlagen wird und rund 150 000 Tote auf den Schlachtfeldern zurücklässt. Doch all die schrecklichen Erfahrungen bergen auch etwas Gutes: Eduard kann eine Laufbahn einschlagen, die ihm als Webersohn verwehrt geblieben wäre.

Mit rund 60 Jahren beginnt Eduard, sein Leben niederzuschreiben. Nicht nur von der Völkerschlacht bei Leipzig wird unmittelbar aus seinen persönlichen Erfahrungen berichtet. Viele Kindheitserlebnisse, das spätere Familienleben und der Berufsalltag eines Fußgendarmen lassen ein Stück hochinteressante und anrührende Alltagsgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts wieder aufleben. Eduard Bitterlich stirbt erst 1876 im für damalige Verhältnisse unglaublich hohen Alter von 81 Jahren.