Kriegswirren und Liebesleid

Melinda Schachinger | Backnanger Kreiszeitung

 

Gudrun Maria Krickl fasziniert die Zuhörer mit ihrem Roman „Die Töchter von Rosengarten“

„Die Töchter von Rosengarten“ ist nach vier historischen Biografien der erste Roman von Gudrun Maria Krickl. Bei einer Lesung im Strümpfelbacher Rathaus faszinierte die Autorin ihre Zuhörer mit der Liebesgeschichte, die in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt.

BACKNANG. Schüsse donnern ohne Unterlass, ein Pferd wiehert panisch – und das an einem Donnerstagabend im Strümpfelbacher Rathaus. Die Szene, in welche das gebannt lauschende Publikum versetzt wird, stammt aus dem großen Krieg, der die europäische Mitte im 17. Jahrhundert erschütterte und als Trauma einer ganzen Epoche gilt: der Dreißigjährige Krieg. Ganze Dörfer und Landstriche wurden verwüstet, irgendwann kämpfte, gefühlt, jeder gegen jeden, und die Unmenschlichkeit nahm immer mehr überhand. In diese Zeit setzt Gudrun Maria Krickl eine Liebesgeschichte, vor deren Hintergrund die Autorin dem Leser nicht nur die historischen Gegebenheiten dieser Zeit, sondern auch die Stimmung, die in der Luft gelegen haben mag, auf kurzweilige Weise nahebringt.

„Die Töchter von Rosengarten“ ist der erste Roman der sympathischen Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael vor einer Leinwand zur Zuhörerschaft gerichtet sitzt. Abwechselnd lesen die beiden aus dem Werk, während der Beamer Gemälde, Zeichnungen und moderne Fotografien an die Wand wirft, die auf das jeweilige Kapitel einstimmen oder eine Szene daraus abbilden. Geräusche wie Schlachtenlärm und historische Musikstücke runden das multimediale Erlebnis ab, zu dem der Verein Strümpfelbach aktiv und die Buchhandlung K. Kreutzmann geladen hatten. Kaum einer der Zuhörer dürfte nun noch Probleme haben, sich auf die Geschichte einzulassen, die 1634 in Württemberg beginnt.

Der Dreißigjährige Krieg tobt bereits seit 1618. Vor allem die ländliche Bevölkerung leidet unter dem Chaos und der Gewalt, die Söldner, Räuber und Soldaten durch die Lande tragen. Auf Gut Rosengarten, einem Hof bei Schwäbisch Hall, sind die Auswirkungen noch nicht so stark zu spüren wie anderswo. Dieses Gut und auch die dort ansässige Familie Schenk hat Krickl ebenso wie etwa achtzig Prozent der im Roman vorkommenden Personen historischen Vorbildern aus der Landesgeschichte nachempfunden. Eines Tages trifft auf jenem Hof der für die württembergische Armee kämpfende Adelige Janek von Schwanberg mit einigen Begleitern ein und verliebt sich während seines Aufenthaltes in Marie, die Tochter des Hausherrn.

Die Wirren des Krieges reißen die jungen Liebenden jedoch bald wieder auseinander. Janek findet sich in der Schlacht bei Nördlingen wieder, überlebt sie trotz der Überlegenheit der feindlichen Truppen und flieht nach Göppingen. Marie und ihre Familie suchen inzwischen Schutz hinter den Haller Stadtmauern. Zwar schonen die siegreichen kaiserlichen Soldaten die Stadt, jedoch zwingt die ausbrechende Pest Marie bald erneut zur Flucht. Ihr nächstes Ziel soll Straßburg sein, wohin sich auch der württembergische Herzog mit seinem Hof gerettet hat. Wie die Geschichte dann weitergeht und ob Marie und Janek sich wiederfinden, verrät die Autorin den gespannten Zuhörern noch nicht. Sicher kann man jedoch sein, dass der Leser im weiteren Verlauf der spannenden Geschichte noch vieles erfahren, was zum besseren Verständnis dieser eigenartigen, schrecklichen und doch faszinierenden Zeit beiträgt, und dass auch noch die eine oder andere spannende regionalgeschichtliche Anekdote in dem Roman steckt.

310_0960_36935_Bringt ihrem Publikum eine traumatische Epoche nahe: Gudrun Maria Krickl.

Foto: A. Becher

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