Zartes Flattern der Liebe zwischen Gewalt, Pest und Tod

Lara Diel | Südwestpresse

 

Die Buchpremiere von Gudrun Maria Krickls „Die Töchter von Rosengarten“ in der Kelter ist zu einer Frühlingsromanze voller Kontraste geraten.

Wer Gudrun Maria Krickls frühere Werke kennt, weiß, dass die 48-jährige Grafenbergerin größten Wert auf akribisch recherchierte historische Daten und Fakten legt. Und so hat sie es auch bei ihrem Romandebüt gehalten: „Mein Anspruch ist, so nah wie möglich an der Wirklichkeit dran zu sein“, verrät sie den Zuhörern in den voll besetzten Stuhlreihen in der historischen Kelter, deren unaufdringlicher Charme aus längst vergangenen Zeiten seinen Teil dazu beiträgt, die Gäste tief in die Vergangenheit eintauchen zu lassen.

Gudrun Maria Krickl - Lara Diel

Ein weiterer realitätsnaher Protagonist: der Frühling. Im Roman orientiert er sich an den Aufzeichnungen der Haller Chronik, und auch draußen zeigt er sich zur Abwechslung mal von seiner besseren Seite. Beste Voraussetzungen also für die ersten zarten Knospen einer Liebesgeschichte, die vor genau 382 Jahren, im Frühling 1634, ihren Lauf nimmt. Der Dreißigjährige Krieg wütet bereits seit 16 Jahren, als sich die blonde Bauerstochter Marie Schenk und der von zahlreichen Kämpfen gezeichnete adlige Regimentsführer Janek von Schwanberg zum ersten Mal begegnen. Eine Begegnung, die Gudrun Maria Krickl und ihr Mann Michael bei der von der Ortsbücherei und der Volkshochschule organisierten Lesung gekonnt in Szene setzen – und so dafür sorgen, dass nicht nur die romantischeren unter den Zuhörern kurz den Atem anhalten, als sich das erste zarte Flattern der Liebe in Maries Magengrube bemerkbar macht.

Schon diese kurze Szene vermittelt tiefe Einblicke in das Wesen der beiden Protagonisten. Wie in ihren früheren belletristischen Sachbüchern entwickelt die Autorin ihre Figuren behutsam, lebendig und mit viel Liebe zum Detail. Durch den kurzen, schlagfertigen Dialog über Körperhygiene, für den sich das Ehepaar Krickl ganz selbstverständlich das Mikro teilt, wachsen Marie und Janek den Zuhörern auf Anhieb ans Herz. Die Hoffnung auf ein Happy End ist geweckt, doch zunächst meint es das Schicksal gar nicht gut mit den beiden.

Vielmehr stürzt ihre Schöpferin sie Hals über Kopf in eine auf Fakten beruhende „Szenerie, die sich ein Filmemacher nicht besser hätte ausdenken können“, so Gudrun Maria Krickl, die die gelesenen Passagen immer wieder mit Einblicken in die Entstehung des Romans und mit der Erläuterung historischer Zusammenhänge bereichert. Liebe, Gewalt, Pest und Tod: Historische Hintergründe liefert eine Multimediapräsentation, die mit Bildern, Plänen, Geräuschen, zeitgenössischer Musik und eindringlichen Zitaten aufwartet. Kleine Kostprobe: „Mit jedem Anrennen stapelte sich die Menge an Leichen höher (…) Unmenschliche Schreie waren zu vernehmen, vermischt mit den durchdringenden Wehrufen sterbender Pferde.“ Zusätzliche Authentizität verleiht bei der Buchpremiere das Trio „Con Anima“ mit Kompositionen von Benedictus Buns (1642 bis 1716).

Dass es sich bei einer der Musikerinnen um Krickls Schwester Ursula handelt, ist typisch für die Autorin, die auch ihren Roman-Erstling wieder zu einem Familienprojekt gemacht hat – bei ihren Recherchereisen begleitete sie nicht selten ihr Vater, Franz Diwischek. Rund dreieinhalb Jahre hat die gebürtige Hechingerin an ihrem „Liebesroman mit Bildungsauftrag“ gearbeitet, der den Leser unter anderem auch nach Metzingen, Pfullingen, Kohlberg und Nürtingen führt – und im Hinblick auf Zerstörung, Vertreibung und Flucht durchaus auch aktuelle Bezüge hat.

Das und vieles mehr über die „Frau mit den drei Leben“ – Mutter zweier Kinder, Presse- und Personalreferentin eines Metzinger Unternehmens, Autorin – erfahren die Buchpremieren-Besucher von Silberburg-Verleger Titus Häussermann, der sichtlich stolz auf den Grafenberger Neuzugang in der jüngsten Verlagssparte „historischer Roman“ ist. Was sie selbstverständlich nicht erfahren, ist, ob die beiden Liebenden nach ihrer langen Reise durch die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs wieder zueinander finden. Aus zufriedenen Zuhörern sollen schließlich auch zufriedene Leser werden.

Info Der Roman ist im Silberburg-Verlag erschienen und im Buchhandel sowie als e-Book erhältlich.

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